|
Wie arm ist Deutschland wirklich?
Quelle: recep Forum Politopia |
Viele dieser Möbellager werden oft von Mitarbeitern betrieben, die die "ganz guten Stücke " nicht ans Abhollager für Bedürftige weiterleiten. Wie auch beim Trödel gibt es da so was wie
"Händler" . Aus diesem Grunde verschenke ich ausrangierte Möbel etc. über FREECYCLE . Man sieht, wer
die Sachen abholt, und wenn man selbst mal etwas braucht ( sogar Außergewöhnliches z.B. zur Reparatur eines uralten Radios oder Ersatzteile für Computer ) wird dort fündig oder gibt eine
Suchanzeige auf. Alles ist kostenlos und Alles ist Geschenkt. Das ist das Prinzip von Freecycle.
Nun zur Armut. In einer Großstadt wie der meinen sehe ich tagtäglich arme Menschen, viele von denen sind sogar im Arbeitsverhältnis. Wie Detlev schon schrieb, die wirklich Armen hört niemand. Es
ist erschreckend, wie Menschen einen Teil ihrer Würde genommen wird, in dem man sie schlichtweg ausklammert und vergisst. Ich meine jetzt nicht die , die mit dem iPhone in der Hand laut im Bus
klagen, wie beschissen es ihnen geht, sondern so Jemanden wie eine alte Omi, die vor dem Kaufhaus auf ihrem Rollator sitzt und schamvoll ihre Hände fast unmerklich ausstreckt. Irgendwie hat sie
versucht, nicht ganz so abgerissen und schrecklich ärmlich auszusehen.
Wahrscheinlich sind das ihre letzten "guten" Kleider. Sie ist vielleicht um die 70 oder auch älter. Ich musste auf meinen Bus warten und hatte es eine Zeitlang beobachtet. Neben ihr stand ein
Zeitungsverkäufer der Obdachlosenzeitung, der jünger war und forscher und lauter und natürlich mehr Chancen hatte, einiges Kleingeld zusammen zu schnorren. Einige Tage später sah ich sie wieder,
wie sie gerade mit dem Rollator nach Hause ging. Mittlerweile grüße ich sie freundlich. In mir ist eine Mischung aus Vorsicht und Respekt. Ich möchte sie nicht beschämen, wenn ich nur Geld in
diese Hände lege und habe deshalb beim Bäcker im Kaufhaus Kuchen gekauft und einen Schein etwas versteckt reingesteckt.
Sie bedankte sich und sagte nebenbei, das sie sich keinen Kuchen leisten könne, ihre Rente sei so klein.
Ein paar Tage später stand sie wieder auf ihrem Platz vor dem Kaufhaus. Dieses Mal hatte ich etwas mehr Zeit und fragte sie, ob sie Lust hätte, oben im Kaufhauscafé einen Kaffee mit mir zu
trinken. Und ein bisschen plaudern. Dabei wurde mir bewusst, dass es nicht nur das fehlende Geld für den Kuchen ist, was dieser alten Frau mangelt. Es ist auch der fehlende soziale Kontakt, der
mit der Armut mehr und mehr wegbröckelt. Sie könne niemanden einladen bei sich, es hätte ihr wahnsinnig Überwindung gekostet, dort zu stehen, sie führe mit dem Bus fast eine halbe Stunde aus
einem anderen Bezirk kommend, damit niemand sie aus ihrer Umgebung beim Betteln sähe !
Sie ist nur eine von den Vielen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, trotzdem reicht es nicht zum Leben.
Ich habe persönlich ein nicht gutes Gefühl, an irgendwelche anonyme Organisationen zu spenden. Mir ist es lieber, ich gehe mit der alten Frau ab und zu einen Kaffee trinken und versuche, ohne sie
zu beschämen, ihr etwas zu helfen. Es kostet mich wirklich Kraft, mich beim Plaudern mit ihrem Leben und dieser Armut auseinander zu setzen. Natürlich wäre es einfacher, einfach Geld zu geben und
weiterzulaufen. Aber wozu sind wir Menschen? Mitfühlende Wesen? Welchen Wert hat eine humanistische Erziehung denn noch, wenn man ihr kein Gesicht geben kann?