Darmstadt  17. Juli 2013  | Von Isabel Hahn

 

Parken nur mit Sondergenehmigung erlaubt

Verkehr –    Nur ein Sonderausweis erlaubt das Parken auf Behindertenparkplätzen – Drei Prozent Plätze sind Pflicht

Extra breit ist der Stellplatz für Besitzer eines Parksonderausweises, wie hier auf dem Marktplatz von Weiterstadt zu sehen ist. Foto: Andre Hirtz
Extra breit ist der Stellplatz für Besitzer eines Parksonderausweises, wie hier auf dem Marktplatz von Weiterstadt zu sehen ist. Foto: Andre Hirtz

SÜDHESSEN

„Immer, wenn ich einen Parkplatz suche, finde ich nur freie Behindertenparkplätze. So viele werden doch gar nicht gebraucht.“ Wer hat diesen Satz nicht schon so manches Mal leise vor sich hin gegrummelt, während an einer scheinbar nicht enden wollenden Schlange parkender Autos vorbeigezuckelt ist.

„Es kann schon sein, dass oft viele Plätze frei sind“, sagt Natascha Buß, die selbst gehbehindert ist: „Wenn ein Behinderter einen braucht, muss allerdings einer frei sein. Denn dann gibt es keine Alternative.“ Die 24-Jährige, die in Dieburg arbeitet, kann sich nur mit einer Gehhilfe fortbewegen. Weiter weg zu parken, bedeutet für sie einen mühsamen Weg.

 

Auch beim Aussteigen braucht sie mehr Platz als nicht behinderte Verkehrsteil-nehmer. 2,30 Meter breit und mindestens fünf Meter lang muss daher ein Behindertenparkplatz nach der Hessischen Bauordnung sein. Wegen ihrer Behinderung hat Buß einen blauen Parkausweis mit Rollstuhlsymbol, der sie oder ihre fahrende Begleitung dazu berechtigt, das Auto auf einem Behindertenparkplatz abzustellen.

Frank Schäfer, Behindertenbeauftragter des Landkreises, erklärt, wer noch alles einen solchen Ausweis erhält: „Voraussetzungen sind entweder eine außer-gewöhnliche Gehbehinderung (Merkzeichen aG) oder Blindheit (Bl).“ So können beispielsweise Eltern blinder Kinder die kurzen Wege vom Behindertenparkplatz zum Einkaufsmarkt nutzen. Begleitpersonen, die den Ausweis in ihrem Auto haben, dürfen natürlich nur dann einen Behindertenparkplatz benutzen, wenn sie einen behinderten Menschen begleiten, nicht aber, wenn sie alleine unterwegs sind.

 

Die Mitarbeiter des Versorgungsamtes entscheiden über den Grad einer
Behinderung und vergeben die jeweiligen Merkzeichen. Eine Schwerbehinderung
reicht entgegen der landläufigen Meinung nicht aus, um einen blauen Parkausweis
zu bekommen. Ein normaler Behindertenausweis berechtigt nicht dazu, einen
Parkplatz für Rollstuhlfahrer zu benutzen. Für die Ausstellung der Ausweise sind Ordnungsamt oder Verkehrsbehörde zuständig.

 

Rainer Tillmann, Fachdienstleiter für Straßenverkehr in Weiterstadt, weist
auf eine Besonderheit der Kommune hin: „Wir vergeben zusätzlich eine grüne
Berechtigungskarte an Menschen, die nur das Merkmal „G“ für „gehbehindert“
bekommen haben. Auch diese dürften dann in Weiterstadt auf Behindertenpark-plätzen parken. Aber nur dort. Laut Hessischer Bauordnung muss jedes Geschäft, jedes Bürogebäude und jede Arztpraxis mit einer Parkfläche von über 100 Quadratmeter drei Prozent der Parkplätze als Behindertenparkplätze ausweisen, erklärt Tillmann.

In Weiterstadt haben 713 Menschen die Erlaubnis, auf Behindertenparkplätzen
zu parken. 384 davon besitzen einen blauen Parksonderausweis „aG“ die anderen
den grünen Ausweis mit dem Symbol „G“.

Gemessen an den 21 937 volljährigen Weiterstädtern müssten somit etwa
3,3 Prozent aller Parkplätze für Behinderte reserviert sein.

 

Genehmigungsbehörde für die Behindertenparkplätze ist die Bauaufsicht des
Landkreises, sagt Tillmann. Wenn eine Kommune nicht genügend Behindertenpark-plätze ausweise, schalte sich die Behörde ein. So gut die Parksituation daher vor größeren Einkaufsmärkten geregelt ist, so schwierig ist das Parken für Behinderte oft vor kleinen Läden wie Bäckereien und Metzgereien – oder dem Hausarzt.

 

Wenn es dann tatsächlich einen Behindertenparkplatz gebe, der unerlaubt
zugeparkt ist, sei das um so ärgerlicher. „Besonders junge Leute habe ich schon
oft dabei beobachtet“, sagt die Betroffene Buß. Sie spreche die Falschparker
direkt darauf an. „Die meisten sind peinlich berührt.“ 
Werden sie erwischt, wird es teuer: 35 Euro plus Abschleppkosten. In Weiterstadt darf die Stadt auch auf privaten Parkplätzen von Geschäften gebührenpflichtige Verwarnungen aussprechen – per Sonderanordnung, wie Tillmann erklärt.

 

Buß geht mit gutem Beispiel voran. Wenn es ihr möglich sei, halte auch sie
die Behindertenparkplätze frei. Denn nicht jeder habe wie sie einen Helfer dabei.